Warum engagiert sich der Kanton?

Die Wirtschaftsförderung Kanton Solothurn hat gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden die «Aktion Familienfreundliche Arbeitgeber» initiiert. Regierungsrätin Brigit Wyss begründet im Interview das Engagement des Kantons und weist auf die Bedeutung der Unternehmenskultur im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hin.

Regierungsrätin Brigit Wyss, warum hat der Kanton die Initiative ergriffen?

Brigit Wyss: Der demografische Wandel und die Beschränkung der Zuwanderung haben zur Folge, dass die Rekrutierung von Fachkräften für die Unternehmen zunehmend schwieriger wird. Wir müssen das inländische Fachkräftepotenzial zwingend erhöhen – das ist zentral für unsere Volkswirtschaft. Wenn unsere Unternehmen ihre Personalpolitik noch familienfreundlicher gestalten, werden wir zusätzliche gut ausgebildete Mütter und Väter für unseren Arbeitsmarkt gewinnen.

Welche Möglichkeiten haben Kleinbetriebe im Bereich von familienfreundlichen Arbeitsbedingungen?

Wir zeigen auf unserer Plattform verschiedene Angebote auf. Ich bin überzeugt davon, dass jedes Unternehmen die Möglichkeit hat, in seinem Betrieb familienfreundliche Arbeitsbedingungen umzusetzen. Nehmen wir das Beispiel von Kurzabwesenheiten: Es kann für einen Elternteil eine grosse Hilfe sein, wenn es die Möglichkeit hat, sein Kind um 16 Uhr von der Schule abzuholen, zu den Grosseltern zu bringen und danach noch eine Stunde im Büro oder in der Werkstatt weiterzuarbeiten.

Wie wichtig ist die Unternehmenskultur?

Unternehmen können finanzielle Anreize schaffen, den Mutterschaftsurlaub erhöhen, Teilzeitarbeit oder beispielsweise Home-Office ermöglichen. An oberster Stelle steht dennoch ein familienfreundliches Betriebsklima: Haben Unternehmen Verständnis für den Wunsch nach einem freien Halbtag, wenn das Kind seinen ersten Schultag hat? Unterstützen Unternehmen Elternteile, die nach der Babypause wiedereinsteigen wollen? Nehmen Unternehmen Teilzeitmitarbeitende gleich ernst wie Vollzeitbeschäftigte? Die Unternehmenskultur ist entscheidend.

Was erhoffen Sie sich von dieser Aktion?

Ich wünsche mir, dass sich die Unternehmen noch intensiver mit der Thematik Familie und Beruf beschäftigen. Und ich erhoffe mir, dass unsere Plattform den Betrieben neue Wege und Ideen aufzeigen kann.